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Gedenkstätte Gardelegen: Abschied von Gedenkstättenleiter Andreas Froese

Der Leiter der Gedenkstätte Gardelegen übernimmt ab Januar 2024 die Leitung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora

Wechselt nun nach Thüringen: Gardelegens Gedenkstättenleiter Andreas Froese

Nach rund neun Jahren verlässt Gardelegens Gedenkstättenleiter Andreas Froese die Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt. Ab Januar 2024 übernimmt er die Leitung der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora in Nordhausen/Thüringen. Deshalb gibt er die Leitung der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen zum Jahresende 2023 ab.

"Es war mir eine große Ehre und Freude, die Gedenkstätte Gardelegen sowie das Todesmarschdenkmal Dolle als ihre Außenstelle in den vergangenen Jahren leiten und gemeinsam mit meinem engagierten Team vor Ort durch ein spannendes Jahrzehnt begleiten zu dürfen", erklärt Froese.

In diesem Zeitraum erfolgte eine umfangreiche Neukonzeption der vormaligen Freiluftgedenkstätte: Der Neubau eines Dokumentationszentrums, die inhaltliche und gestalterische Konzeption einer Dauerausstellung, die Entwicklung professioneller Bildungsangebote für Schulklassen und Erwachsenengruppen und die Formulierung eines Standortentwicklungskonzepts für die zukünftige Gestaltung ihrer Außenanlagen machten sie zu einem zeitgemäßen Forschungs-, Informations- und Bildungsort. Finanziell möglich wurde dies durch eine Zuwendung des Landes Sachsen-Anhalt, das seit 2015 die Trägerschaft über die vormals rein kommunale Gedenkstätte innehat und sie seitdem innerhalb der landeseigenen Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt fördert.

"Heute ist die Gedenkstätte Gardelegen sowohl in der Altmark-Region und in Sachsen-Anhalt als auch bundesweit und international bekannt", berichtet Froese. Dazu habe auch die Eröffnung der Dauerausstellung "Gardelegen 1945. Das Massaker und seine Nachwirkungen" im neu errichteten Dokumentationszentrum durch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Dr. Reiner Haseloff im September 2020 - 75 Jahre nach dem Massaker in der Isenschnibber Feldscheune vom April 1945 - beigetragen.

Doch auch die Hansestadt Gardelegen, die bis heute Eigentümerin des Gedenkstättengeländes ist und sich um dessen Pflege kümmert, insbesondere um den Erhalt der Gräber auf dem Ehrenfriedhof für die Ermordeten des Massakers in der Isenschnibber Feldscheune, verdiene höchsten Respekt und Anerkennung: "Dass eine Stadtverwaltung und ihre lokale Zivilgesellschaft ihre historische Verantwortung für die kommunale NS-Geschichte so wahr- und annehmen, wie es in der Hansestadt Gardelegen seit vielen Jahrzehnten der Fall ist, ist wirklich bemerkenswert", so Gedenkstättenleiter Froese.    

Zum Abschied dankt Froese allen, die die Arbeit der Gedenkstätte Gardelegen und der Stiftung Gedenkstätten Sachsen-Anhalt in den vergangenen Jahren engagiert begleitet und unterstützt haben, sowie allen Kolleginnen und Kollegen innerhalb der Gedenkstättenstiftung für eine erfolgreiche und angenehme Zusammenarbeit. Einen besonderen Dank widmet er den weltweiten Angehörigen der Überlebenden und Ermordeten des Massakers in der Isenschnibber Feldscheune und der US-Veteranen vom April 1945, die den dortigen Tatort im April 1945 entdeckt und umfangreich dokumentiert hatten. "Das Team der Gedenkstätte wird die Arbeit am historischen Ort selbstverständlich wie bisher engagiert fortsetzen", versichert Froese.

Er selbst werde auch in seiner neuen Funktion als Leiter der KZ-Gedenkstätte Mittelbau-Dora u.a. der NS-Geschichte Sachsen-Anhalts, der Geschichte der Todesmärsche in die Altmark und des Massakers von Gardelegen eng verbunden bleiben. Seiner neuen Aufgabe und Verantwortung in der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora sieht er mit großem Respekt und Dankbarkeit entgegen: "Ich fühle mich sehr geehrt, auch weiterhin den Kontakt zu vielen Familienangehörigen weltweit fortsetzen zu dürfen, deren Vorfahren an beide historische Tatorte - in den Lagerkomplex Mittelbau um Nordhausen und danach auf die Räumungstransporte und Todesmärsche in Richtung Gardelegen - deportiert wurden."

Bis zur Berufung einer offiziellen Nachfolge wird Lukkas Busche, pädagogischer Mitarbeiter der Gedenkstätte Feldscheune Isenschnibbe Gardelegen, die Leitung ab Januar 2024 vorläufig kommissarisch übernehmen.